Dienstag, Juli 17, 2018
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Presseartikel der MAZ: Alles geklärt in Hälfte zwei

Mit einem 58:27-Erfolg schickt der USV Potsdam den Berliner SV 92 nach Hause

POTSDAM - Nicht nur das Wetter stimmte. Auch die launigen Ansagen von Spielkommentator Thomas Kühnl beflügelten am Sonnabendnachmittag die Aktionen des USV Potsdam im Bundesligaspiel gegen den Berliner SV 92. Die Gastgeber – wie die Hauptstädter nach der Ligareform in die Oststaffel des Oberhauses aufgerückt – setzen sich mit 58:27 (22:20) gegen die alten Bekannten durch.

Die Gastgeber erwischten auf dem Platz am Neuen Palais einen guten Start. Bereits in der ersten Spielminute legte Michael Krenz das Lederei im gegnerischen Malfeld ab. Nur fünf Minuten später gelang Krenz ein so genanntes Drop-Goal. Hier darf das Spielgerät nur einmal den Boden berühren, dann tritt es der Spieler aus dem laufenden Spiel heraus zwischen die Malstangen und über die Querstange. Sprecher Kühnl bemerkte: „Ein historischer Moment für den USV.“ Trainer Robby Lehmann konnte sich „nicht erinnern, dass wir in den letzten vier oder fünf Jahren so etwas hinbekommen haben“.

Doch die Berliner ließen ihrerseits nicht locker. Nach zwei Versuchen samt Erhöhung sowie einem erfolgreichen Straftritt waren sie plötzlich auf 17:10 enteilt. „Wir haben in dieser Phase dem Gegner zu viel Zeit gelassen, nicht aggressiv genug getackelt“, räumte der Coach ein. Jan Treuholz stellte zwar den Anschluss wieder her, ein weiterer Straftritt des BSV ließ den Abstand der Teams zueinander aber wieder anwachsen (15:20). Kommentator Kühnl verhängte umgehend ein Bierverbot für die Gäste. Nachdem Jan Krauzig kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit ein Versuch für die USV-Adler gelungen war, der noch erhöht werden konnte (22:20), zeigte sich Kühnl schon milder mit den Gästen: „Für sie gibt es jetzt wieder Radler.“

Nach dem Seitenwechsel wuchsen den Adlern dann tatsächlich Flügel: Allein Steven Schuster konnte drei Versuche legen. Auch Henning Kohtze, der Australier Richard Andrew Deeds und Michael Fels, der durch die Spielgemeinschaft mit den Berlin Grizzlies für den USV Potsdam auflaufen kann und einen unglaublichen Solospurt über Rechtsaußen zur Mallinie hinlegte, erhöhten das Konto – auf immerhin 58:20. Den solcherart ins Hintertreffen geratenen Berlinern und ihren Anhängern gestattete Spielkommentator Kühnl nun großzügig „Sekt und Schnaps“.

Die Gäste setzten allerdings den Schlusspunkt (58:27) mit einem Versuch und Erhöhung. „Das war nur noch ein wenig Ergebniskosmetik“, befand Trainer Lehmann nach Abpfiff, „eigentlich hätten wir die Partie ausläuten müssen.“ Sein Trainer-Kollege Marek Sniowski, dessen Jungs nach dem Seitenwechsel nicht mehr viel zustande brachten, musste zugeben: „Die Potsdamer spielen schnellen Rugby. Wir konnten unsere Stärken nicht über das komplette Spiel zeigen.“ Ein älterer BSV-Fan ging mit der Truppe härter ins Gericht: „Das war mir zu viel Stand-Rugby. Die verjucken ihre Chancen.“

Beim Jubel der Potsdamer blieb deren Kapitän Ralf Horn (32) nachdenklich: „Wir haben die Mindestanforderung zufriedenstellend erfüllt. Stellenweise lief es zu einfach. Wir haben unser Konto durch Einzelaktionen aufgebessert, weil die Konkurrenz es zugelassen hat.“ Sein zwei Jahre älterer Bruder Karsten bemerkte: „Das war teilweise hektisch. Im Training einstudierte Sachen haben sich auf dem Platz aufgelöst.“ Gerade gegen stärkere Gegner muss das Team zu mehr Disziplin und Struktur zurückfinden. Schon am 15. September ist es soweit: Dann müssen die USV-Adler ihren Horst verlassen und beim etablierten Erstligisten RK 03 Berlin antreten.

Autor: Ralf Thürsam
Erschienen in der MAZ am 03.09.2012

 

 


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